Das Chrysler Turbine Car und warum es das Titelbild dieser Seite ist

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Chrysler als kleinster der „Big Three“ in Detroit hinkte GM und Ford damals hinterher, da diese deutlich moderner und mit einem knackigen, ansprechenden Portfolio daherkamen. Man hatte in Auburn Hills also Nachholbedarf und so wurde die Idee geboren, die Antwort auf eine Frage zu liefern, die eigentlich niemand gestellt hatte: Ein Auto mit Gasturbinenantrieb, das extrem laufruhig, als Nebenprodukt mit in Summe weniger Schadstoffausstoß (abgesehen vom NOx-Ausstoß einer Kleinstadt) und zudem als Allesfresser daherkam.

Das Chrysler Turbine Car von 1963 war ein Kind seiner Zeit, als es noch hieß „höher, schneller, weiter!“. 

Schließlich schauten ungefähr zur gleichen Zeit schon die Kleinsten begeistert die britische Science-Fiction Serie „Thunderbirds“ und die NASA hatte noch den Status einer modernen Technik-Religion.

Egal, ob Benzin, Diesel, Kerosin, oder Terpentin: Die Turbine konnte mit jeder brennbaren Flüssigkeit betrieben werden!

Adolfo López Mateos, der damalige Präsident von Mexiko betrieb sogar eines der ersten Autos mit Tequila!

So legte man also eine Kleinserie von 50 „Serien“-Fahrzeugen plus 5 Prototypen auf, die ab Ende des Jahres 1963 an „echte“ Kunden zu Testzwecken für den Alltagsgebrauch verteilt wurden. Gebaut wurden die Karosserien nach dem Entwurf der Chrysler Designabteilung unter Elwood Engel bei Ghia in Italien, um dann in den USA die Hochzeit mit dem futuristischen Antriebsstrang zu feiern. Die Technik war derart ausgefallen, dass das Design ebenso atemberaubend sein musste. Dies - und die begleitende Medienpräsenz -  ist Chrysler damals ebenso gelungen, wie Elon Musk kürzlich der Tesla Cyber-Truck...

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Nach hunderttausenden von Testkilometern; bzw. -meilen kam man nach Rücksprache mit den freiwilligen Testern zu dem Schluss, dass dieses Auto aufgrund der langen Anlaufzeit der Turbine, Problemen im Betrieb bei schwankenden Außentemperaturen, dem exorbitanten Verbrauch sowie dem Fahrgeräusch eines Staubsaugers nicht zu vermarkten war und verwarf die Idee schnell wieder. Bis auf wenige Exemplare wurden alle Turbine Cars verschrottet. Der US-amerikanische Late-Night-Talker und legendäre Autosammler Jay Leno besitzt übrigens eines der  wenigen, überlebenden Exemplare.

Bis heute gilt das Auto zwar als Meilenstein der automobilen Technik- und Designgeschichte – hat sich allerdings mangels Alltagstauglichkeit nie in Serie durchgesetzt und daher auch nie einen massentauglichen Nachfolger bekommen.

 

Was hat all das mit alternativen Energien, Elektromobilität und Jatrophaöl zu tun?

 

Zum einen könnte man die Turbine tatsächlich problemlos mit Jatrophaöl betreiben, was dem Turbine Car quasi posthum eine deutlich verbesserte Klimabilanz bescheren würde. Zum anderen – und darum geht es eigentlich – kann man das Turbine Car mit Fug und Recht als "Rohrkrepierer" bezeichnen, womit der Bezug zu einigen, derzeit angebotenen Fahrzeugen deutscher Tradiotionsmarken hergestellt wäre...

 

Es ist ein historisches Sinnbild dafür, was passiert, wenn die Industrie – aus welchen Gründen auch immer – ohne Nachfrage aus dem Markt und ohne vernünftige Markforschung versucht, ein halbgares Produkt zu etablieren, nach dem niemand gefragt hat und das eigentlich keinerlei Vorteile gegenüber ausgereifter Technik mit weitere Entwicklungspotential hat. Die wenigen Vorteile, wie der ruhige Lauf werden  durch massive Einbußen an anderer Stelle kannibalisiert.

 

Ähnlich kritisch sehen wir den Vorstoß, Elektromobilität als Stand-Alone Alternative zum Verbrennungsmotor im Markt zu etablieren, ohne andere technische Lösungen ebenfalls in Betracht zu ziehen. Inzwischen ist die E-Mobilität heute zwar deutlich weiter fortgeschritten, als seinerzeit die Entwicklung des Turbine Cars, was aber nicht heißt, dass sie global betrachtet einen Nutzen für die Dekarbonisierung hat. Für einen beherzter Tritt auf die Bremse und die Hinwendung zu pragmatischem, technologieoffenen Handeln ist es nie zu spät, schließlich geht es um unser Klima, das weder durch Turbine Cars, noch halbgare Elektroautos mit "grünem" Strom, der nicht in ausreichender Menge verfügbar ist, gerettet werden kann.